Das zweifelhafte Geschäft mit dem Schlaf der Deutschen


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Doris Hoffmann (Name geändert. Tatsächlicher Name und Identität sind der Redaktion bekannt) weiß nicht mehr genau, wann sie das letzte Mal wirklich gut geschlafen hat. „Ich bin hundemüde, liege aber wach im Bett. Und wenn ich dann doch eingeschlafen bin, weckt mich das kleinste Geräusch“, klagt die 33-Jährige aus Baden-Württemberg.

Seit sie Mutter geworden ist, sei alles noch schlimmer geworden. Sie habe vieles versucht, Atemübungen, Schlafmittel aus der Werbung, und weil auch das nicht half, habe sie Geräte gekauft: „Ein Lichtgerät, eine Gewichtsdecke und einen speziellen Matratzentopper.“ Selbst das Bett habe sie ausgetauscht. Sie hat viel Geld ausgegeben – für nichts.

Auf der Website ihrer Krankenkasse hat Hoffmann nun ein Onlineschlaftraining gefunden und sich angemeldet. Die Kasse bezahlt einen Großteil der knapp 300 Euro, die das kosten soll.

Die Krankenkassen wissen, dass Schlaf kostbar ist, und bezuschussen deshalb allerlei Maßnahmen, die Schlafstörungen lindern oder beheben sollen. Viele Deutsche haben Probleme, nachts die empfohlenen siebeneinhalb Stunden Schlaf zu bekommen. Eine Studie des Elektrogeräteherstellers Philips aus dem vergangenen Herbst besagt, dass nur jeder zweite Deutsche genug schläft, jeder fünfte sagt von sich, dass er zu wenig Schlaf bekommt. Der Gesundheitsreport 2019 der Barmer Krankenkasse kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Jeder Vierte gab an, unter Schlafstörungen zu leiden.

85 Prozent der Schlafstörungen werden nicht erkannt

Langfristig kann das ernste Konsequenzen haben: Burn-out, Probleme mit Herz und Kreislauf, Diabetes und Gewichtsprobleme. Und Folgen für die Wirtschaft. Wer nicht ausgeschlafen ist, kann nicht die volle Leistung bringen und fühlt sich unwohl. Laut der Barmer-Untersuchung sind Menschen mit Schlafstörungen 6,1-mal länger krankgeschrieben. Die Denkfabrik Rand Europe bezifferte den gesamtwirtschaftlichen Schaden vor Jahren auf mehr als 55 Milliarden Euro.

All das sind nach Einschätzung von Experten bisher eher Annäherungen an das Problem. Etwa sechs Prozent der Bevölkerung haben eine Diagnose vom Arzt und lassen sich behandeln. Andere machen es wie Doris Hoffmann und versuchen, sich selbst zu helfen: „Der Leidensdruck bei Betroffenen ist hoch, Schlaf ist ein Grundbedürfnis“, sagt die Diplom-Psychologin und Schlafexpertin Elena Heber vom GET.ON Institut für Online-Gesundheitstrainings in Hamburg.

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Sie schätzt, dass etwa 85 Prozent der Schlafstörungen gar nicht erkannt werden. Da sei die Verlockung groß, zu Methoden zu greifen, von denen unklar ist, ob sie überhaupt wirksam sind. So ist Schlaf zu einem Produkt geworden, um das herum eine ganze Industrie entstanden ist.

Fitnessarmbänder messen, wie lange und gut jemand schläft. Es gibt Sensormatten, die den Schlaf protokollieren, Apps werten die Ergebnisse aus. Wenn etwas nicht stimmt, kommen Schlafdrinks mit Melatonin oder Hanföl zum Einsatz, sanfte Geräusche und spezielles Licht. Ein Schlafroboter für 500 Euro soll wohlige Nähe herstellen. Experten gehen davon aus, dass weltweit bis zu 70 Milliarden Euro für Hilfsmittel rund um den Schlaf ausgegeben werden. Das Geschäft boomt, auch in Deutschland.

Warnung vor falschen Versprechungen

„Das ist ein Armutszeugnis für das deutsche Gesundheitssystem“, sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Die Angebote besagten vor allem, dass Menschen mit Schlafstörungen im deutschen Gesundheitssystem nur mangelhaft versorgt werden.

„Ich finde es gut, dass Tracker und Wearables das Bewusstsein dafür schärfen“, so Weeß. Doch viele moderne Schlafhilfen kämen in wissenschaftlichem Gewand daher, ihre Wirksamkeit sei aber nie wissenschaftlich untersucht worden. „Das ist dann sogar ein Stück weit gefährlich.“ Nämlich dann, wenn gesunden Menschen vermittelt wird, sie hätten ein Schlafproblem, oder kranken Menschen suggeriert wird, alles sei in Ordnung.

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Fruehaufsteher

Auch Verbraucherschützer warnen vor falschen Versprechungen und irreführender Werbung. Ein Team der Verbraucherzentrale Hessen hat gezielt nach Nahrungsergänzungsmitteln gesucht, die guten Schlaf propagieren – und ist auf eine Auffälligkeit gestoßen.

„Einige Produkte waren harmlos, haben aber vermutlich keinerlei Auswirkungen auf den Schlaf“, sagt Wiebke Franz, die das Team leitet. Bei anderen sei unklar, ob die enthaltenen Stoffe für Nahrungsmittel zugelassen seien, Melatonin etwa. Der neueste Trend sind Produkte mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD). Vor denen warnt Franz besonders. Sie könnten gesundheitsbeeinträchtigende Mengen des psychoaktiven Stoffes THC enthalten.

Auch Ärzte suchen nach schnellen Lösungen

Die Verbraucherschützer raten daher grundsätzlich davon ab, angebliche Hilfsmittel für besseren Schlaf zu kaufen. „Man sollte eher die Ursachen angehen und herausfinden, warum man schlecht schläft“, sagt Franz. Die Sache ist, dass nicht nur Menschen mit Schlafstörungen nach schnellen Lösungen suchen. Sondern oft auch Ärzte.

Und das, obwohl nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung eine kognitive Verhaltenstherapie das Mittel der Wahl wäre. Die Betroffenen sollen zunächst etwas über gesunden Schlaf lernen und mit Entspannungsübungen, dem Hinterfragen von schlafschädigenden Gedanken und geführtem Schlaftraining lernen, wieder richtig zu schlafen.

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Heute gibt es genaue Vorstellungen davon, wie guter Schlaf zu sein hat

„Für manche Menschen kann es ausreichend sein“, sagt Schlafexpertin Heber. Dabei spielen gesunde Gewohnheiten, Regelmäßigkeit, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin eine wichtige Rolle. Wer allerdings in mindestens drei Nächten pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen nicht gut schläft oder einen großen Leidensdruck verspürt, solle zum Arzt gehen. Dann ist ein Onlinetraining, wie das Institut von Heber es anbietet, eine Option.

Onlinetherapie hilft Schlaflosen

Schlafforscher Weeß rät zur Vorsicht. Onlinetherapieprogramme könnten durchaus wirksam sein, müssten aber von Fachleuten entwickelt und wissenschaftlich überprüft werden. Daran arbeitet derzeit zum Beispiel das GET.ON-Institut. Es ist an einer Studie der Uniklinik Freiburg mit 4000 Personen beteiligt, die die Krankenkassen über einen Innovationsfonds finanzieren.

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Erste Ergebnisse aus Skandinavien, aber auch aus Deutschland bestätigen den Erfolg solcher Onlineprogramme, die 500 bis 800 Euro kosten können, wenn sie von einem Therapeuten begleitet werden. Es wird dauern, bis ihr Nutzen bewiesen ist. Verbraucherschützerin Wiebke Franz hat einfache Tipps, die nichts kosten: nicht erst im Bett das Handy beiseitelegen, um dem Gehirn die Chance zum Abschalten zu geben. Lieber Kräutertee oder warme Milch statt teurer Pillen. Nicht erst vorm Schlafen essen. Und vielleicht kleine Einschlafrituale schaffen: Musik hören oder lesen.

Doris Hoffmann hat gelernt, dass sie sich selbst den Druck nehmen muss. Sie arbeitet mit einem Therapeuten daran. Die Gewichtsdecke und die Lichtmaschine hat sie entsorgt.

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